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Achterwasser Usedom: Der ruhige Lagunensee zwischen Insel und Festland im Überblick

vor 5 Tagen
16 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Stunden


Usedom Achterwasser Strand von oben - Bild von Dagmar Scherf auf Pixabay - AI171139
Usedom Achterwasser Strand von oben - Bild von Dagmar Scherf auf Pixabay

Wer zum ersten Mal nach Usedom fährt, denkt bei der Insel meist zuerst an die Ostsee – an Sandstrand, Seebrücken und Strandkörbe. Dabei hat Usedom eine zweite, deutlich ruhigere Wasserseite, die viele Erstbesucher komplett übersehen: das Achterwasser.


Diese flache Lagune trennt die Insel vom vorpommerschen Festland, erwärmt sich im Sommer schneller als die offene See, friert im Winter zu und war schon den Fischern vergangener Jahrhunderte ein vertrautes Gewässer mit eigenem Namen, eigenen Sagen und eigenen Regeln. Wenn Du Dir zunächst einen Überblick über die gesamte Insel verschaffen möchtest, lohnt sich ein Blick in unseren ausführlichen Usedom-Reiseführer.


In diesem Artikel bekommst Du einen vollständigen Überblick über das Achterwasser: seine Entstehung und Größe, die einzelnen Teilgebiete, wo Du baden und Wassersport treiben kannst, was es mit den Bootsrundfahrten und dem Angeln auf sich hat, welche Legenden sich um die Lagune ranken – und warum das Achterwasser im Winter zu einem ganz eigenen, oft unterschätzten Naturschauspiel wird.


INHALT


Was ist das Achterwasser? Lage, Größe und Entstehung


Das Achterwasser ist eine flache Boddenlagune der südlichen Ostsee, die sich zwischen der Insel Usedom im Norden und Osten und dem vorpommerschen Festland im Westen erstreckt. Geologisch handelt es sich um einen ehemaligen Nebenarm der Oder, der nach der letzten Eiszeit durch aufgeschüttete Nehrungen und Dünen weitgehend von der offenen Ostsee abgeriegelt wurde – übrig blieb ein ruhiges, seichtes Gewässer, das über den Peenestrom und das Stettiner Haff dennoch mit der Ostsee in Verbindung steht. Fachlich zählt das Achterwasser damit zur Gruppe der sogenannten Bodden – flacher, brackwasserführender Lagunen, wie sie an der gesamten südlichen Ostseeküste zwischen Rügen und der Odermündung verbreitet sind.


Das Achterwasser ist rund 15 Kilometer lang und bis zu 10 Kilometer breit, bei einer durchschnittlichen Tiefe von nur etwa 3 Metern. Diese geringe Tiefe ist auch der Grund, warum sich das Wasser hier im Sommer deutlich schneller erwärmt als die offene Ostsee – ein Effekt, den Familien mit kleinen Kindern gern für ausgedehnte Badetage nutzen. Gleichzeitig sorgt die geringe Tiefe dafür, dass sich Wind und Wetter unmittelbar auf den Wellengang auswirken: An windigen Tagen kann das Achterwasser durchaus kabbelig werden, an ruhigen Tagen liegt es dagegen oft spiegelglatt – ein Wechsel, den Wassersportler auf der Insel zu schätzen wissen, weil er ganz unterschiedliche Bedingungen auf engem Raum bietet.


⚠️ Nicht verwechseln: Das Achterwasser gehört zum Naturpark Insel Usedom, nicht zum bekannteren Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Letzterer liegt westlich der Insel zwischen der Halbinsel Darß und Rügen und hat mit dem Achterwasser geografisch nichts zu tun – eine Verwechslung, die online erstaunlich häufig vorkommt.


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Wie groß ist das Achterwasser wirklich?

Bei der genauen Flächenangabe wird es unübersichtlich: Manche Quellen nennen für das Achterwasser selbst eine Fläche von rund 130 Quadratkilometern, andere sprechen von etwa 300 Quadratkilometern. Ein Grund für die Verwirrung dürfte sein, dass häufig die Fläche des gesamten Naturparks Insel Usedom mit der des Achterwassers gleichgesetzt wird: Der Naturpark, der seit Dezember 1999 besteht, umfasst mit rund 632 Quadratkilometern nicht nur das Achterwasser, sondern auch den Peenestrom und den nördlichen Teil des Stettiner Haffs.


Deutlich konkreter lässt sich die schmalste Stelle benennen: Zwischen Zempin und Koserow trennen Ostsee und Achterwasser nur noch rund 300 Meter Land – ein geografisches Detail, das Du bei einem Spaziergang über den Deich förmlich mit den Füßen erlaufen kannst, und das in der Nähe des Otto-Niemeyer-Holstein-Museums in Lüttenort liegt.


Salz- oder Süßwasser?

Weil das Achterwasser über den Peenestrom und das Stettiner Haff mit der Ostsee verbunden ist, aber gleichzeitig auch Süßwasser aus kleineren Zuflüssen aufnimmt, handelt es sich um Brackwasser – eine Mischung aus beidem, mit einem im Vergleich zur offenen Ostsee deutlich geringeren Salzgehalt.


Namensherkunft: Warum heißt es „Achterwasser"?

Der Name stammt aus der plattdeutschen Seemannssprache: „Achtern" bedeutet dort schlicht „hinten" beziehungsweise „das hintere Ende eines Schiffs" – verwandte Begriffe sind „Achterschiff", „Achterpik" und „Achtersteven". Das Achterwasser ist also wörtlich das Wasser, das aus Sicht der Ostseeküste „hinter" der Insel liegt.


Historisch trug das Achterwasser übrigens einen weiteren Namen: „Lassansches Wasser", benannt nach der Stadt Lassan auf dem Festland, die hier über Jahrhunderte besondere Fischereirechte besaß. Diese Rechte regelten unter anderem, welche Fischerfamilien an welchen Stellen ihre Reusen setzen durften – ein frühes Beispiel für organisierte Ressourcennutzung an einem Gewässer, das gleichzeitig mehreren Gemeinden und Grundherren zugeordnet war.




Die Teilgebiete des Achterwassers


Das Achterwasser ist kein gleichförmiges Gewässer, sondern gliedert sich in mehrere Teilbereiche mit eigenem Charakter – wer die Namen einmal zuordnen kann, versteht die Insel-Geografie gleich viel besser.


Balmer See und Krienker See: Diese beiden kleineren, besonders geschützten Buchten liegen im südlichen Bereich des Achterwassers, nahe der Orte Balm und Krienke im Lieper Winkel. Wegen der geringen Wellenbewegung und der Nähe zu offiziellen Badestellen gelten sie als besonders ruhige Ecken, die auch bei stärkerem Wind auf dem offenen Achterwasser noch angenehm zu befahren sind.


Krumminer Wiek: Eine tief eingeschnittene Bucht westlich der Halbinsel Gnitz, benannt nach dem kleinen Fischerort Krummin, der bis heute einen Naturhafen und eine aktive Fischerei-Tradition besitzt. Von hier aus starten unter anderem die Törns des traditionellen Zeesenboots „Romantik".


Der Gnitz: Südlich von Zinnowitz erstreckt sich die Halbinsel Gnitz zwischen Krumminer Wiek im Westen und dem offenen Achterwasser im Osten. Ihr bekanntestes Merkmal ist der rund 32 Meter hohe „Weiße Berg", ein durch Wind und Wellen stetig abgetragenes Steilufer. Die Südspitze der Halbinsel steht seit 1991 als Naturschutzgebiet unter Schutz (rund 61 Hektar) und ist Rückzugsraum für Seeadler sowie eine der größten Uferschwalbenkolonien der Insel.


Lieper Winkel: Zwischen Achterwasser und Peenestrom liegt mit dem Lieper Winkel eine eigene kleine Halbinsel, die zur Gemeinde Rankwitz gehört und die Dörfer Grüssow, Krienke, Liepe, Quilitz, Reestow, Suckow und Warthe umfasst. Der Winkel ist deutlich dünner besiedelt als die Küstenorte und gilt als eine der ruhigsten, ursprünglichsten Ecken der ganzen Insel – ideal für alle, die dem touristischen Trubel der Bäderorte für ein paar Stunden entfliehen möchten.


Görmitz, Böhmke und Werder: Diese drei kleinen, größtenteils unbewohnten Inseln liegen verstreut im Achterwasser und spielen vor allem als Rast- und Brutplätze für Wasservögel eine wichtige Rolle. Sie sind touristisch kaum erschlossen, was gerade ihren ökologischen Wert ausmacht.


Häfen und Anlegestellen am Achterwasser im Überblick: Neben den Buchten prägen zahlreiche kleine Häfen das Bild des Gewässers – von größeren Sportboothäfen wie Stagnieß und dem Zinnowitzer Yachtclub bis zu kleinen, selbst gebauten Anlegestellen wie in Koserow. Sie markieren gleichzeitig die wichtigsten Ausgangspunkte für Bootstouren, Angelausfahrten und Wassersport, die Du in den folgenden Abschnitten findest.



Eine kurze Anmerkung zur Karte


Weil das Achterwasser sich über mehrere Buchten, Halbinseln und vorgelagerte Inseln erstreckt, lohnt sich zur Orientierung ein Blick auf eine Gesamtkarte der Insel – gerade wenn Du verstehen willst, wie die einzelnen Orte am Achterwasser (Zinnowitz, Koserow, Zempin, Ückeritz, Pudagla und andere) zueinander liegen. Eine ausführliche Übersichtskarte samt Kaufberatung für Wander- und Radkarten findest Du in unserem Usedom-Karte-Artikel.


„Karte Insel Usedom“, Bild: Alexrk2, Beschriftung angepaßt, CC BY-SA 3.0 - AJ172040
„Karte Insel Usedom“, Bild: Alexrk2, Beschriftung angepaßt, CC BY-SA 3.0


Baden im Achterwasser


Weil das Wasser hier flacher und ruhiger ist als an der offenen Ostseeküste, gilt das Achterwasser bei vielen Familien als die entspanntere Badealternative – besonders an heißen Tagen, wenn Kinder lieber im warmen, wellenfreien Wasser planschen als sich gegen Brandung zu behaupten.

Offiziell ausgewiesene Badestellen findest Du unter anderem in Balm, Neppermin und Pudagla – alle drei mit direktem Zugang zum Achterwasser und in der Regel deutlich weniger belebt als die großen Ostseestrände der Kaiserbäder. Die Badestelle bei Pudagla liegt gleichzeitig in unmittelbarer Nähe des weiter unten beschriebenen Teufelssteins und ist damit ein beliebtes Ziel für eine Kombination aus Baden und kleiner Sagen-Erkundung. Die Wassertemperatur liegt durch die geringe Tiefe an warmen Sommertagen oft merklich über der der offenen Ostsee, was das Achterwasser besonders für Frühschwimmer und kleine Kinder attraktiv macht.


Anders als an den großen Ostseestränden findest Du an den Achterwasser-Badestellen selten Strandkörbe oder durchgehende Infrastruktur wie Kiosk und Rettungsschwimmer – meist handelt es sich um kleine, naturnahe Sandabschnitte mit wenig Schatten, an denen Du Dich selbst um Sonnenschutz und Verpflegung kümmern solltest. Dafür ist es an den meisten Tagen auch in der Hochsaison deutlich ruhiger als an der Küste, was besonders Familien mit kleinen Kindern oder Ruhesuchenden entgegenkommt, die dem Strandkorb-Trubel der Kaiserbäder entgehen möchten.


💡 Insider-Tipp: Wenn Du mit Hund unterwegs bist, lohnt sich ein Blick auf die ausgewiesenen Hundestrände direkt am Achterwasser – sie sind in der Regel deutlich weniger frequentiert als die Hundestrände an der Ostseeküste.



Wassersport auf dem Achterwasser


Ruhiger Wind, geringer Wellengang und viel Platz machen das Achterwasser zu einem beliebten Revier für nahezu jede Form von Wassersport – vom entspannten Segeltörn bis zum sportlichen Kiten.


Segeln: Von Häfen wie Stagnieß, Krummin, Zinnowitz und Karlshagen aus werden halb- bis mehrtägige Segeltörns angeboten. Besonders bekannt ist das 100 Jahre alte Plattbodensegelschiff „Weiße Düne", das von Mai bis September auf dem Achterwasser unterwegs ist, sowie das traditionelle Zeesenboot „Romantik" ab dem Naturhafen Krummin, ein ehemaliges Arbeitsboot der Küstenfischer.


SUP, Kajak und Kanu: Das ruhige Binnengewässer ist ideal für Einsteiger, die sich noch nicht auf die offene Ostsee trauen. Verleihstationen findest Du unter anderem in Zinnowitz direkt am Achterwasser.


Windsurfen und Kiten: Vor allem rund um den Hafen Ückeritz, wo auch eine Segelschule ansässig ist, hat sich eine kleine Windsport-Szene etabliert.


Häfen im Überblick: Neben den bereits genannten liegen weitere Anlegestellen in Karlshagen, Balm, Lütow und Netzelkow. Der kleine Bootshafen von Koserow, dessen Hafenbecken 1964 in Eigenleistung der Einwohner entstand, eignet sich eher für kleine Boote; größere Ausflugsfahrten starten meist in Stagnieß oder Zinnowitz. Der Hafen Stagnieß bietet mit rund 100 Liegeplätzen und einem angeschlossenen Naturcampingplatz besonders viel Platz für Gastlieger, während der Zinnowitzer Yachtclub mit rund 60 Gastliegeplätzen etwas kompakter, aber zentraler zum Ort gelegen ist.

Hafen

Charakter

Besonders geeignet für

Stagnieß

Größerer Sportboothafen mit Naturcamping

Segler, Rundfahrt-Passagiere, längere Aufenthalte

Zinnowitz (Yachtclub)

Zentrumsnaher Sportboothafen

Gastyachten, Rundfahrten, SUP-Verleih

Krummin

Naturhafen mit Fischerei-Tradition

Traditionssegler, ruhige Ecke der Krumminer Wiek

Ückeritz

Hafen mit Segelschule

Windsurfen, Kiten, Segelkurse

Koserow

Kleiner, selbst gebauter Hafen (1964)

Kleine Boote, kurze Ausfahrten

Karlshagen, Balm, Lütow, Netzelkow

Kleinere Anlegestellen

Lokale Nutzung, ruhige Abschnitte

(Angaben zu Liegeplätzen gerundet und je nach Quelle leicht abweichend.)


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Rundfahrten und Schifffahrten auf dem Achterwasser


Wer nicht selbst segeln oder paddeln möchte, kann das Achterwasser auch ganz bequem von einem Ausflugsschiff aus erleben – und das ist mit weitem Abstand das meistgesuchte Achterwasser-Thema überhaupt, noch vor dem Baden und dem Wassersport. Von Stagnieß und Zinnowitz aus verkehren beispielsweise die Schiffe „Johannes" und „Jessica" der Ückeritzer Personenschifffahrt, die Achterwasserrundfahrten von rund zwei Stunden Dauer anbieten, in der Saison in der Regel täglich außer sonntags mit mehreren Abfahrten am Vormittag und frühen Nachmittag. Von Wolgast aus starten zusätzlich Fahrten des Anbieters FaLaMo, die auch Teile des Peenestroms mit einbeziehen und sich damit eher an Gäste richten, die beide Gewässer auf einer Tour kombinieren möchten. Ergänzend verkehren in der Saison auch historische Segelschiffe wie die bereits erwähnte „Weiße Düne" auf klassischen Törns über das Achterwasser.


Die einzelnen Abfahrtsorte unterscheiden sich dabei nicht nur in der Anfahrt, sondern auch in der Streckenführung: Ab Zinnowitz oder Stagnieß führt die Tour meist in den nördlichen und mittleren Teil des Achterwassers samt Krumminer Wiek, während Fahrten ab Wolgast stärker auf den Peenestrom und die Verbindung zum Achterwasser ausgerichtet sind. Auch ab Ückeritz, Pudagla und Zempin werden in der Saison zeitweise eigene Rundfahrten angeboten, die sich eher an Gäste aus den Bernsteinbädern richten.


💡 Insider-Tipp: Wenn Du die Rundfahrt mit einem Ausflug in einen der Achterwasser-Orte verbinden möchtest, plane die Fahrt am besten für den späteren Vormittag ein – so bleibt nach der Rückkehr noch genug Zeit für ein spätes Mittagessen am Hafen, bevor der Ort zur Mittagszeit voller wird.


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Drei lächelnde Menschen stehen mit weißen Fahrrädern und Weidenkörben am Strand, im Hintergrund Meer und Himmel.

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Angeln im Achterwasser


Für Angler ist das Achterwasser eines der interessantesten Reviere der Insel: Die flachen, nährstoffreichen Brackwasserzonen bieten guten Bestand an Zander, Hecht, Barsch und Meerforelle, saisonal kommen Hering und Hornhecht hinzu, und mit etwas Glück lassen sich auch Ostseeschnäpel oder sogar vereinzelt Lachs und Wels fangen. Gängige Methoden sind das Angeln mit Gummifisch, Twister und Dropshot-Montage auf Zander und Barsch, das Spinnfischen mit Blinker, Spinner oder Löffel auf Hecht sowie das klassische Angeln mit Naturköder vom Ufer aus.


Wer vom Ufer aus angeln möchte, braucht in der Regel einen Touristenfischereischein, den Du in den Tourist-Informationen der umliegenden Orte erhältst; für Bootsangeltouren gibt es zudem geführte Angebote mit ortskundigen Guides, bei denen Ausrüstung und Bootsplatz meist im Preis inbegriffen sind und die sich sowohl als Halbtages- als auch als Ganztagestour buchen lassen.

Historisch war das Achterwasser weit mehr als ein Freizeitrevier: Über Generationen sicherten sogenannte Reusenstangen feste Fangplätze für die traditionelle Reusenfischerei, die alle ein bis zwei Tage kontrolliert wurden – ein System, das genau festlegte, welcher Fischer an welcher Stelle seine Reuse setzen durfte, und das eng mit den bereits erwähnten historischen Fischereirechten der Stadt Lassan verknüpft war. In Zempin allein gab es bis zum Zweiten Weltkrieg sechs Fischräuchereien, die ihren Räucherfisch mit Buchen- und Erlenholz veredelten und sogar per Bahn bis nach Berlin verschickten – ein Stück Wirtschaftsgeschichte, das heute kaum noch bekannt ist, aber die enge Verbindung der Achterwasser-Orte mit der Fischerei eindrucksvoll zeigt und erklärt, warum Räucherfisch bis heute zur kulinarischen Identität der Region gehört.


Da das Thema Angeln – von Ausrüstung über Fangplätze bis zu geführten Bootstouren – ein eigenes, umfangreiches Kapitel verdient, bereiten wir dazu einen vertiefenden Artikel vor.



Radfahren und Wandern rund ums Achterwasser


Auch abseits des Wassers lohnt sich das Achterwasser: Entlang des Koserower Deichs etwa führt ein besonders schöner Streckenabschnitt mit weitem Blick über die Lagune – Teil einer größeren Rundtour, die seit der Fertigstellung des Radwegs zwischen Usedom-Stadt und Mellenthin im Herbst 2019 auch über die Inselmitte durchgängig befahrbar ist. Ambitionierte Radfahrer verbinden diesen Abschnitt gerne zu einer kompletten Umrundung des Achterwassers, die je nach gewählter Route rund 90 bis 100 Kilometer misst und über Ückeritz, den Schmollensee, Pudagla, die Stadt Usedom, die Zecheriner Brücke und Lassan bis nach Wolgast führt, bevor es über die Wolgaster Peenebrücke zurück auf die Insel geht – ein Tagesprojekt für geübte Radfahrer, das sich aber auch gut auf zwei Tage mit Zwischenübernachtung aufteilen lässt.


Der neue Deichweg zwischen Zempin und Koserow führt dabei direkt an der schmalsten Stelle der Insel vorbei, unweit des Otto-Niemeyer-Holstein-Museums in Lüttenort – ein guter Ausgangspunkt, um die zuvor beschriebene 300-Meter-Verengung zwischen Ostsee und Achterwasser nicht nur auf der Karte, sondern live zu erleben. Wer es lieber ruhiger angehen möchte, findet auch kürzere Teilstrecken entlang einzelner Buchten, etwa rund um den Balmer See oder durch den Lieper Winkel, die sich gut mit einem Zwischenstopp an einer der Badestellen verbinden lassen.


💡 Insider-Tipp: Für den schönsten Blick über das Achterwasser bei Sonnenuntergang lohnt sich ein späterer Nachmittag auf dem Deich zwischen Zempin und Koserow – hier spiegelt sich das Abendlicht besonders eindrucksvoll auf der ruhigen Wasserfläche.



Natur und Vogelbeobachtung am Achterwasser


Das Achterwasser ist Teil des EU-Vogelschutzgebiets „Peenestrom und Achterwasser" und zählt zu den bedeutendsten Rastgebieten für Wasservögel an der gesamten südlichen Ostseeküste. Nach Erhebungen des Bundesamts für Naturschutz liegt die durchschnittliche Gesamtvogelzahl im Gebiet bei rund 26.380 Tieren, unter anderem mit größeren Beständen von Gänsesäger, Schnatterente, Reiherente und Tafelente. Auch Seeadler und Fischadler sind regelmäßig über dem Gewässer zu beobachten, besonders in den ruhigeren Randbereichen wie dem Naturschutzgebiet auf dem Gnitz.


Für Vogelbeobachtung eignen sich besonders die ruhigen Randbuchten wie der Balmer See, der Lieper Winkel und die unbewohnten Inseln Görmitz, Böhmke und Werder, da sie kaum durch Bootsverkehr gestört werden. Die beste Beobachtungszeit liegt im Frühjahr und Herbst während des Vogelzugs, wenn sich zahlreiche durchziehende Arten zusätzlich zu den ganzjährig ansässigen Beständen im Gebiet aufhalten. Ein Fernglas gehört bei einer Radtour entlang des Deichs deshalb fast schon zur Grundausstattung.


Das gesamte Achterwasser liegt zudem innerhalb des Naturparks Insel Usedom, der seit Dezember 1999 besteht und neben dem Achterwasser auch den Peenestrom und den nördlichen Teil des Stettiner Haffs schützt.



Legenden und Geschichte des Achterwassers


Der Teufelsstein bei Pudagla

Rund 200 Meter westlich von Pudagla, etwa 100 Meter vor dem Kliff des Konker Bergs, liegt einer der eindrucksvollsten Findlinge der gesamten Insel: der sogenannte Teufelsstein, auch Riesenstein genannt. Der Granitblock mit blauem Quarz wurde während der letzten Eiszeit von Gletschern aus dem schwedischen Småland bis nach Vorpommern transportiert und misst heute 4,0 Meter Länge, 3,8 Meter Breite und 2,7 Meter Höhe bei einem Umfang von 10 Metern und einem berechneten Volumen von rund 22 Kubikmetern. Der Stein steht als Geotop und Naturdenkmal unter Schutz.

Der Sage nach wollte der Teufel – in manchen Versionen ein Riese – den Bau des Klosters Pudagla verhindern, indem er den gewaltigen Stein auf das Gebäude schleuderte. Der Wurf ging jedoch daneben: Der Stein entglitt ihm, prallte gegen den Konker Berg und rollte ins Achterwasser, wo er bis heute liegt.


Die Vineta-Sage – und was sie wirklich mit dem Achterwasser zu tun hat

Kaum eine Sage der Insel ist so bekannt wie die von Vineta, der sagenhaften, im Meer versunkenen Stadt. Wichtig für die Einordnung: Die Vineta-Sage ist historisch vor allem an die Ostseeküste bei Koserow gebunden – dort erzählt die Überlieferung von einem Hirtenjungen, der an einem Ostermorgen die Glocken der versunkenen Stadt hören konnte, und Koserow trägt bis heute ein Vineta-Kreuz in der Kirche sowie einen Glockenturm auf der Seebrücke. Auch die Vineta-Festspiele, ein Freilichttheater der Vorpommerschen Landesbühne Anklam, finden seit 1997 jeden Sommer auf der Ostseebühne in Zinnowitz statt – wieder mit Bezug zur offenen Ostseeküste, nicht zum Achterwasser selbst.


Wo genau das historische Vineta lag, ist unter Historikern bis heute umstritten: Als mögliche Standorte werden neben der Küste bei Koserow und Damerow auch Kap Arkona auf Rügen, der Peenemünder Haken, Barth und selbst das polnische Wolin diskutiert. Die mittelalterliche Beschreibung des Chronisten Adam von Bremen, der von einer Stadt an drei Gewässern nahe der Odermündung berichtet, passt dabei durchaus auf die Geografie zwischen Peenestrom, Achterwasser und Ostsee – weshalb die Sage bis heute gern in die Nähe des Achterwassers gerückt wird, auch wenn sie sich streng genommen auf die offene Küste bezieht. Der Name lebt inzwischen auch am Achterwasser selbst weiter, etwa in Ferienhausnamen wie dem „Inselhof Vineta" in Zempin.


Die Sturmfluten von 1872 und 1874

Zweimal im 19. Jahrhundert, 1872 und 1874, durchbrachen schwere Ostsee-Sturmfluten vorübergehend die schmale Landverbindung zwischen Achterwasser und offener Ostsee bei Zempin und Koserow – ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie dünn die natürliche Trennung zwischen den beiden Gewässern an dieser Stelle tatsächlich ist, und ein Grund, warum die Region bis heute besonders sturmflutgefährdet gilt.



Das Achterwasser im Winter


Ein Aspekt, den die meisten Achterwasser-Artikel komplett auslassen, aber gerade für naturinteressierte Besucher hochspannend ist: das Achterwasser im Winter. Weil das Gewässer so flach ist, friert es in kalten Wintern regelmäßig zu – der Bundesamt-für-Seeschifffahrt-und-Hydrographie-Eisdienst (BSH) dokumentiert dabei Eisdicken von teils über 30 Zentimetern, etwa im Februar 2026.


Sobald das Eis trägt, verändert sich das Bild der Lagune komplett: Eisangler ziehen mit ihrem Gerät über die gefrorene Fläche, kontrollieren stellenweise sogar ihre Reusen durch Löcher im Eis, und bei glatten, schneearmen Bedingungen wird auch Schlittschuhlaufen möglich – ein Bild, das eher an die Boddengewässer Vorpommerns als an eine Ferieninsel an der Ostsee erinnert und viele Erstbesucher überrascht, die Usedom nur aus dem Sommer kennen.


Eine weitere, heute fast vergessene Tradition ist das winterliche „Schilf werben" – das Ernten von Schilfrohr für Reetdächer, das früher erst dann möglich war, wenn das Eis tragfähig genug war, um mit Erntegerät auf das Schilf zuzugehen. Die geschnittenen Schilfbündel wurden anschließend auf dem Eis zu den Uferwegen gezogen und von dort weiterverarbeitet – eine Arbeit, die auf vielen Bodden- und Achterwasser-Orten der Region bis weit ins 20. Jahrhundert zur festen winterlichen Routine gehörte und die dort, wo noch traditionell mit Reet gedeckt wird, in kleinerem Umfang bis heute fortlebt.


In besonders kalten Wintern, wie sie historisch etwa in den 1940er-Jahren dokumentiert sind, konnte sogar die gesamte südliche Ostsee streckenweise zufrieren – das Achterwasser als flaches Binnengewässer war davon naturgemäß noch stärker betroffen als die tiefere, offene See.


⚠️ Wichtig: Die Tragfähigkeit von Eisflächen ändert sich mit der Lufttemperatur oft innerhalb weniger Stunden. Verlasse Dich beim Betreten nie allein auf Erfahrungsberichte aus dem Internet, sondern informiere Dich vor Ort über aktuelle Eisverhältnisse, bevor Du das Achterwasser im Winter betrittst.



Übernachten am Achterwasser


Rund um das Achterwasser gibt es – von Zempin über Loddin und Ückeritz bis Pudagla, Balm und Neppermin – eine große Bandbreite an Ferienwohnungen, Ferienhäusern und einzelnen Hotels, viele davon mit direktem Wasserblick.


Für die beiden größten Orte direkt am Achterwasser findest Du bereits jetzt unsere ausführlichen Ortsartikel zu Zinnowitz und Koserow mit allen wichtigen Informationen zu Unterkünften, Gastronomie und Sehenswürdigkeiten vor Ort.


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Häufig gestellte Fragen zum Achterwasser (FAQ)


Ist das Achterwasser Salzwasser oder Süßwasser?Weder ganz das eine noch das andere: Das Achterwasser ist Brackwasser, eine Mischung aus salzhaltigem Ostseewasser (über Peenestrom und Stettiner Haff) und Süßwasser aus kleineren Zuflüssen.


Wie tief ist das Achterwasser?Im Durchschnitt rund 3 Meter – daher erwärmt es sich im Sommer deutlich schneller als die offene Ostsee.


Wie groß ist das Achterwasser wirklich?Hier widersprechen sich die Quellen: Manche nennen rund 130 Quadratkilometer, andere rund 300 Quadratkilometer. Eine einzelne, verlässlich belegte Zahl allein für das Achterwasser (ohne Peenestrom und Stettiner Haff) ließ sich nicht auffinden.


Wo kann man im Achterwasser baden?Offiziell ausgewiesene Badestellen liegen unter anderem in Balm, Neppermin und Pudagla.


Woher kommt der Name „Achterwasser"?Aus der plattdeutschen Seemannssprache: „Achtern" bedeutet „hinten" – das Achterwasser ist also das Wasser hinter der Insel, aus Sicht der offenen Ostseeküste.


Gibt es Bootsrundfahrten auf dem Achterwasser?Ja, unter anderem ab Stagnieß und Zinnowitz sowie ab Wolgast. Fahrpläne und Preise unterscheiden sich je nach Saison und Anbieter – einen ausführlichen Vergleich findest Du bald in unserem eigenen Artikel zu den Achterwasser-Rundfahrten.


Friert das Achterwasser im Winter zu?Ja, in kalten Wintern regelmäßig, mit dokumentierten Eisdicken von teils über 30 Zentimetern – das ermöglicht traditionell auch Eisangeln und Schlittschuhlaufen, erfordert aber immer eine Prüfung der aktuellen Eisverhältnisse vor Ort.


Was hat das Achterwasser mit der Vineta-Sage zu tun?Direkt eigentlich wenig: Die Sage ist historisch an die Ostseeküste bei Koserow und die Vineta-Festspiele in Zinnowitz gebunden, nicht an das Achterwasser selbst – der Name lebt aber in einzelnen Ferienhausnamen am Achterwasser weiter.


Welche Häfen gibt es am Achterwasser?Die wichtigsten sind Stagnieß und der Zinnowitzer Yachtclub, dazu Krummin, Ückeritz, Koserow sowie kleinere Anlegestellen in Karlshagen, Balm, Lütow und Netzelkow.


Ist das Achterwasser für Kinder geeignet?Ja, sogar besonders gut: Die geringe Tiefe, das ruhigere Wasser und die schnellere Erwärmung im Sommer machen die Badestellen am Achterwasser zu einer entspannten Alternative zur offenen Ostseeküste.



Fazit: Die stille Seite von Usedom


Während sich an der Ostseeküste Strandkorb an Strandkorb reiht, bleibt das Achterwasser für viele Usedom-Besucher ein Geheimtipp – dabei bietet die ruhige Lagune mit ihren geschützten Badestellen, den Segel- und Bootsrundfahrten, dem reichen Fischbestand und ihren Legenden rund um Teufelsstein und Vineta einen ganz eigenen, oft übersehenen Reiz. Gerade weil sich Ostsee und Achterwasser an der schmalsten Stelle der Insel auf nur rund 300 Metern begegnen, lohnt es sich, bei jedem Usedom-Urlaub bewusst beide Seiten der Insel einzuplanen – morgens die Brandung am Sandstrand, nachmittags die Stille auf dem Deich mit Blick über die Lagune.

Wer sich zusätzlich für die vertiefenden Themen Rundfahrten, Angeln oder Unterkünfte am Achterwasser interessiert, findet demnächst eigene, ausführliche Artikel dazu auf unserer Seite. Für den kompletten Überblick über die restliche Insel lohnt sich weiterhin unser Usedom-Reiseführer, für die Orientierung auf einer Gesamtkarte unser Usedom-Karte-Artikel, und für die beiden großen Orte direkt am Achterwasser die ausführlichen Artikel zu Zinnowitz und Koserow.


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